Baudenkmale

Baudenkmale von St.Ilgen

Katholische Pfarrkirche St. Aegidi
Im wesentlichen ist noch in den Umfassungsmauern die frühe Anlageform erkennbar, die man als dreischiffige, wohl flach gedeckte Pfeilerbasilika mit Querschiff und Chorquadrat sich vorzustellen hat. Nach 1462 und von 1780 bis 84 haben Umbauten dieses Bild stark verändert. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche zu einem Saalbau um gestaltet: dem Langhaus mit 3 Fensterachsen schließt sich im Osten ein quadratischer flachgedeckter Chor, im Westen auf den Stümpfen der alten Pfeilerpaare eine Empore an.

Ein wesentlicher Oberrest des romanischen Baues der Gründerzeit, etwa um 1170/80, bildete die westliche Giebelwand mit dem Hauptportal und 2 kleinen Fenstern.

Das romanische Portal zeigt einfache profilierte Säulen und Pfeilervorsprünge mit abschließenden, teils profilierten Kapitälen. Das Tympanon (Bogenfeld) abschließendem, einfachen profiliertem Rundbogen zeigt in der Mitte als Relieffigur einen sitzenden Heiligen, wohl den Kirchenpatron St. Agidius darstellend, dem der Heiligenschein und auch ein Buch in der linken Hand fehlt. Zur Rechten (vom Betrachter links) ein knieender Mönch, wohl der Stifter, welcher den Segen des Heiligen empfängt. Zur Linken ein knieender Abt mit Abtstab in Andeutung an den Abt des Mutterklosters Sinsheim. Alle Figuren tragen das Ordenskleid der Benediktiner. In der Kirche an der südöstlichen Chorwand befindet sich über der Sakristeitüre ein Wappenstein mit geneigtem Schildyin welchem das Wappen der Herren von Venningen (2 gekreuzte Lilienstäbe) mit einem Abstand zu erkennen ist. Da das Kloster nie einen Abt besaß, deutet das Wappen auf das Mutterkloster Sinsheim wo selbst von 1406-09 ein Friedrich von Venningen als Abt genannt ist. So dürfte dieser Stein auch um diese Zeit entstanden sein, vielleicht hatte gerade um diese Zeit das Klösterlein und auch der Ort durch diesen Abt neue Impulse erhalten.

Über dem Wappenstein, ebenfalls in die Mauer eingelassen, befindet sich ein aus der Römerzeit überkommenes Reststück eines Denkmales, Grabmales oder Alters. Erkennbar ist das Brustbild eines Jünglings welcher mit der rechten erhobenen Hand eine Weintraube zum Mund führt.

Noch zu erwähnen seien die Platten der beiden Altäre rechts und links des Chorbogens welche der Gründerzeit entstammen und mit den Konsekrationszeichen (Bischofskreuze) versehen sind. Die darüber stehenden Altäre entstammen der Zeit des frühen Barock (1620 Darstellung der heiligen Familie bzw. der Muttergottes). Über der Ausgangstür steht eine ältere Statue des St. Aegidius in Bischofstracht, danach eine schöne Pieta.

Zwei ehemals aus der Kirche stammende Glocken befinden sich heute in der heimatgeschichtlichen Sammlung. Die Ältere davon trägt die Inschrift „Gegossen C. Riedel in Wiesental der kathilischen Gemeinde St. Ilgen 1851″ die Jüngere “ St. Aegidius Patronus Ecclesiae filitas St. Ilgen – gegossen von Adolf Schweiger Rastatt 1894″. Ebenso befindet sich in der Sammlung die ehemals in der Kirche angebrachte Grabplatte des Fasaneriemeisters Hanusch mit der Inschrift „Im Jahr Christi 1773 den 26. Mertz starb der wohledle Herr Johann Georg Hanusch churpfälzischer Fasanenmeister seines Alters 74 Jahr“. Gegenüber der Kirche , an der Südwand des Hauses Hauptstraße 21 ist eine kleine, dreieckförmige Reliefplatte eingemauert. Sie erinnert an den ehemaligen kurpfälzischen Fasaneriemeister, Oberjäger Hans Herterich (1609).

Bei einem Gang durch das Dorf entdecken wir an der hofseitigen Wand des Hauses Weberstraße 16 eine Wappenplatte der Familie Knecht. Draußen in der Flur, in den Wiesen gegen Kirchheim/Leimen und Nußloch sowie im Feld gegen Sandhausen/Walldorf finden sich eine Reihe älterer Grenzsteine. Neben den Symbolen der Kurpfalz (Rautenwappen 1+2 ) und Baden (Wappen mit Schrägbalken 3) finden sich Inschriften, welche auf die Gemarkung Nußloch (N mit Tulpe 4). Gemarkung Sandhausen (5) (GSH) und auf die einst hier begüterte Familie von Bettendorf (VB mit Ring hinweisen wie auch auf die Gemarkung St. Ilgen (GSJ mit Dreiblatt 7). Da gerade dieses Dreiblatt auch schon in einem alten Ortssiegel von 1701 zu finden ist, stellt sich die Frage, ob die Rüben aus falscher Auslegung dieses Zeichens Eingang in das neuere Wappen gefunden hat. (1899). Eine andere Vermutung geht auch dahin, ob das Dreiblatt durch vereinfachte Darstellung der Lilie entstanden sein könnte, welche in der oberen Wappenhälfte zu finden ist.

Bis vor ein paar Jahren war im Wiesental im Bereich der Gerberswiesen noch ein interessanter Grenzstein zu finden, welcher im Wappenschild über einem fünfzackigen Stern eine Zinnenmauer (8) zeigte. Bis heute konnte dieses Symbol noch nicht gedeutet werden, es muß jedoch in einem Zusammenhang mit den ehemaligen Besitzrechten stehen.

Interessant dürfte bei dieser Betrachtung der Hinweis sein, daß wie „Mone“ in seiner Typographie der Kunstwerke von 1887 aussagt, der Altar in Kirrlach aus dem ehemaligen Sinsheimer Klosterhof, späteren Dominikanerhof zu St. Ilgen stamme und gerade vor einer Zerstörung gerettet, durch Kauf 1803 nach Kirrlach kam.

Es ist ein flandrischer Schnitzaltar in der Art der um 1510/20 typischen Antwerpener Exportware. (Aufnahmen in der heimatgeschichtlichen Sammlung). Ein überhöhtes Mittelteil zeigt eine figurenreiche, hochansteigende Kreuzigungszene. Darunter angeordnet die Beweinung, bei der gleichfalls ein großer Personenkreis zugegen ist. Die Hauptgruppe auf der linken Seite die Auferstehung Christi vor Augen. Verkündigung, Heimsuchung, die Geburt des Herrn und seine Beschneidung erscheinen in kleinformatiger Wiedergabe unter den beiden letztgenannten Gruppen.

von Hans Benz

Quelle: Heimatgeschichtliche Ausstellung – Aus der Vergangenheit von St.Ilgen – 9/10 September 1978 Gemeindeverwaltung Leimen, Lit.: Die Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden vd. 8 Abt. 2 Amtsbezirk Heidelberg, bearb. von A.v. Oechelhäuser 1913, 0. Halter, Beiträge zur Geschichte von St. Ilgen, Mannheimer Gesch.Blätter IX 1908 s. 55 ff, X 1909 s. 111 ff XI 1910 s. 14 ff.