Geschichte

Aus der Geschichte unserer Gemeinde

Entwicklung von Siedlung und Gemarkung
Die Leimbachniederung mit ihrem feuchten und ungünstigen Gelände wurde erst spät für die Besiedlung erschlossen. Im Jahr 1100 soll nach der Sinsheimer Chronik Bi­schof Johann von Speyer dem Kloster Sinsheim neben anderem Besitz in ältern Or­ten der Umgebung auch solchen in Bruch geschenkt haben. Bruch ist die ursprüngliche Bezeichnung für das Sumpfgelände auf der heutigen Gemarkung St. Ilgen und Sandhausen. Die eigentliche Gründung der Probstei St. Aegidius schreibt die Sinsheimer Chronik aber erst dem Abt Johann (1158-1175) zu.

Die Uranfänge des Ortes reichen in keltische und römische Zeiten zurück, wie zahlreiche Funde beweisen.

Die St. Ilgener Gemarkung ist wohl, wie sich aus den früheren Zehntverhältnissen ergibt, aus der Lochheimer Gemarkung ausgeschnitten. Ursprünglich war der Sinsheimer Besitz und damit wohl auch die Gemarkung nicht geschlossen. Erst verschiedene Tauschaktionen mit den Lochheim und Bruchhausen aufkaufenden Zisterziensern haben um 1190 die Gemarkung arrondiert. Nur eine kleine Exklave zwischen Walldorf und Sanshausen blieb bis 1874 bestehen, wurde dann jedoch der ärarischen Waldgemarkung Schwetzinger Hardt zugesprochen. Durch die Aufteilung des Hardtwaldes 1930/31 erhielt St. Ilgen einen 220 ha großen Distrikt mitten im Wald zwischen Reilinger Weg und Hardtbach, der in keinem Zusammenhang mit der alten Gemarkung steht.

Während für die völlige Entwaldung des Mittelstücks der Hauptgemarkung noch im Mittelalter kein Zeitpunkt angegeben werden kann, ist die Geschichte des Probsterwaldes aktenmäßig belegt. Wie der Name besagt, gehörte er ursprünglich dem Kloster. 1475/76 behielt sich aber der Pfalzgraf den Wald vor, als er das Kloster den Dominikanern übergab. 1525 sprachen sich auf Befragen des Kurfürsten alle Schultheißen der Umgebung für die Rodung des Waldes und seine Umwandlung in Wiesen aus. Das geschah dann auch. Der Sandbuckel im Süden der Gemarkung wurde erst Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts aufgeforstet.

Herrschaft und Staat
Die Herrschaftsrechte über St. Ilgen waren im Besitz des Klosters Sinsheim. Ein Drittel der Ortsherrschaft war jedoch wohl seit der Stiftung dem Bischof von Speyer vorbehalten. Das Kloster Sinsheim verkaufte 1474 mit der ganzen Probstei St. Ilgen auch seine Hauptrechte, seine 2/3 an Vogtei, Frevel, Fron, hohes und niederes Gebot und Verbot an die Pfalz. Als Friedrich der Siegreiche das Klösterlein 1476 den Dominikanern schenkte, behielt er sich ausdrücklich die Obrigkeit, Jurisdiktion und die Jagd vor.

Die ganze Neuzeit hindurch blieb dann das Dorf beim Oberamt Heidelberg und der Kirchheimer Zent. Von der badischen Regierung wurde es 1803 dem Amt Unterheidelberg, dann dem Landamt, schließlich dem Bezirksamt Heidelberg zugeteilt. In den Kriegen der Pfalz wurde St. Ilgen 1462 und 1689 total niedergebrannt.

Das Kloster, Grundherrschaft und Grundbesitz
Die Sinsheimer Chronik erzählt, daß Abt Johann das Klösterlein zunächst mit drei Mönchen besetzt habe.

Als Verhandlungspartner mit Schönau, einmal auch als pfalzgräflicher Notar, ist in der Zeit vor 1200 mehrmals ein Mönch von Bruch oder St. Aegidien, wohl der Vorsteher der Niederlassung, genannt. 1252 ist erstmals ein Probst erwähnt. Zur Probstei gehörten, wie die Verkaufsurkunde von 1474 zeigt, Höfe in Nußloch, Kirchheim und Rohrbach, die sich das Hauptkloster damals weiterhin vorbehielt, sowie Weinberge und Zinse in Leimen und Rohrbach, die mitverkauft wurden. 1476 beschenkte Friedrich der Siegreiche das neugegründete Dominikanerkloster in Heidelberg mit dem von Sinsheim erworbenen Besitz, außer dem Probsterwald und den Herrschaftsrechten. Bei der noch mit päpstlicher Zustimmung erfolgten Aufhebung des Dominikanerklosters 1551 fiel sein Besitz an das Hospital Heidelberg. 1685 wurden die Güter durch die Hofkammer eingezogen. Die durch Philipp Wilhelm wieder nach Heidelberg geholten Dominikaner verlangten von 1715 an die Rückgabe und hatten damit 1720 Erfolg. Die Ansprüche auch auf den Probsterwald und den Sandbuckel wurden 1735 abgewiesen. Aber bis 1787 zog sich der Prozeß um diese Güter hin, dann wurde trotz Fürsprache des Papstes entschieden, daß das Kloster nichts zu fordern habe, da es nur gnadenhalber und ohne jeden Rechtsanspruch die Güter zurückerhalten habe.

Das Klösterlein bestand damals aus zwei Häusern und zwei Scheuern, sie waren von einem Laienbruder und einer Magd bewohnt, die die Gefälle zu sammeln hatten. 1805 nach Aufhebung des Heidelberger Predigerkonvents wurde das ganze Anwesen von der katholischen Kirchengutsverwaltung in Bestand vergeben, dann verkauft. Die einstige Ringmauer und den Torbogen zum Probsteigarten hat man 1896 abgebrochen, das letzte Haus der Niederlassung 1964. Dem Kloster gehörte neben zahlreichen Einzelstücken 1474 der Probsterwald, das Bruch, die Etzwiesen, größere Stücke im Settel und 100 M Sandbuckel.Die 16 Lehen hatten je 1-2 M am Haus anschließend liegen und zahlten, soweit sie auf der Seite gegen Leimen lagen, 21 d, auf der Seite gegen Walldorf 20 d Zins. Bei Verkäufen der Lehen stand dem Lehnsherr 1/3 der Kaufsumme zu.

Der Probsterwald war im 16. Jahrhundert herrschaftliche Wiese, die von einem Wiesenknecht bewacht und durch die umliegenden Gemeinden befront werden mußte. Diesen stand dafür das Herbstweiderecht darauf zu. Sie blieb bis heute im Domänenbesitz.

1591 kaufte Pfalzgraf Johann Kasimir Gelände zur Anlage einer Fasanerie. 1738 wurden diese durch Teile des Probsterwaldes erweitert, 1754 mit einer Mauer umzogen, dann mit einem Wohnhaus für den Fasanenwärter versehen. 1804 ging die Fasanerie durch Kauf an die Grafen von Hochberg über. Man verlegte sich darauf, eine Obstplantage aus dem Gelände zu machen. 1833 hat Freiherr von Guttenberg, der inzwischen in den Besitz der Fasanerie gelangt war, das Gelände parzellenweise verkauft. Heute steht der Bahnhof ziemlich genau an der Stelle des alten Fasanenwärterhauses. Der übrige Güterbesitz auf der Gemarkung war minimal, meist handelt es sich um Besitzsplitter von Gütern in Nußloch, Leimen, Sandhausen und Kirchheim, so bei dem von 1441 an nachgewiesenen Bettendorf’schen Gut, das vom Heidelberger Patrizier Arnold Rype stammte, beim Venninger, Sickinger, Schönauer und beim Deutschordensbesitz. Der Hofkammer gehörten 12 M Kanzleigut. 1707 befanden sich in der Gemarkung noch 75 ha der „toten Hand“ meist wie etwa auch heute noch, der Domäne. Der Zehnte war Zubehör des Klosters. Nach dem Entscheid über die Seelsorge von 1384 hat das St. Andreasstift den Großzehnten und die Pfarrei Leimen den Kleinzehnten auf den Distrikten der Gemarkung nördlich des Leimbachs, die damals schon waldfrei waren, erhalten. Der dem Kloster verbliebene Zehnte war 1806 schon im Besitz der Gemeinde. Der Zehnte von St. Andreas gehörte noch 1830 der Domäne, dazu der Zehnt von der Gerberwiese und der Lichtenau, wohl eigentlich ein Novalzehnt.

Kirche
Die Urkunde von 1131 gliederte die neue Ansiedlung aus dem Pfarrverband von Lochheim aus, und Bischof Burkhard II. von Worms gab den Mönchen der Probstei die Erlaubnis zur Seelsorge. Später wurde die Pastoration der Dorfbewohner der Pfarrei Leimen übertragen. Streitigkeiten zwischen dem Wormser St. Andreasstift als Inhaber der Pfarrei Leimen und dem Probst wurden 1834 durch schiedsrichterlichen Spruch des Vitztums von Heidelberg geregelt. Der Pfarrer von Leimen mußte jährlich zweimal zur Abhör der Osterbeichte und sonst zur Versorgung der Kranken nach St. Ilgen kommen. Dafür erhielt die Pfarrei Leimen bestimmte Teile des Zehnten (s.u.l. Die bis dahin noch bestehende Mitzuständigkeit des Pfarrers von Sandhausen wurde, anscheinend im Anschluß an diese Regelung, 1386 aufgehoben. Seither, über die Reformation und den vielfachen Konfessionswechsel in der Pfalz hinaus, war St. Ilgen Filiale von Leimen. Die einstige Klosterkirche viel bei der Teilung 1707 den Katholiken zu. Abgesehen von der kurzen Zugehörigkeit zu Walldorf 1827-29, blieb St. Ilgen von der katholischen Pfarrei Leimen abhängig, wurde 1946 Expositur, 1949 Kuratie.

Die Kirche, der Rest der ehemaligen Klosterkirche, besteht aus einem Langhaus zu drei Fensterachsen mit quadratischem Fachgedecktem Chor. Der jetzige Chor war ehemals die Vierung einer kleinen romantischen Basilika. Nach Osten schloß der Chor an. An der Nord- und Südseite sind noch die Gurtbögen der Querhausflügel zu sehen. Vom Chorbogen blieben nur die Kämpferprofile erhalten, die reicher durchgebildet sind als die aus Platte und Schräge zusammengesetzten Kämpfer des Triumphbogens. Das Langhaus war dreischiffig und wahrscheinlich flachgedeckt. Auf jeder Seite trugen vie quadratische Pfeiler mind Rundbögen die Obergadenwände. Nur die Stümpfe des westlichen Pfeilerpaares als Stützen der Empore bestehen. Zum wesentlichen Bestand des romantischen Baues gehört die Giebelwand mit dem Westportal. Die Gewände des Portals mit ihren ornamentierten Kapitellen sind leider durch spätere Ausbesserungen verunstaltet. Im Tympanon ist ein Heiliger dargestellt, wohl St. Aegidius, zu seiner Linken ein knieender Abt, zur Rechten ein Stifter, den der Heilige segnet.- In spätgotischer Zeit, wahrscheinlich nach 1462, wurde die Kirche umgebaut. Die Langhausarkaden erhielten Spitzbögen. Damals wurde der romantische Chor aufgegeben und an seiner Stelle die Vierung zum Altarraum vermauert. In den Jahren 1780/84 wurden die Arkaden im Langhaus herausgebrochen, die Seitenschiffmauern erhöht und der heute vorhandene Saal mit drei Barockfenstern in jeder Seite geschaffen. Der Dachreiter wurde 1824 erneuert, Innenraum und Portal 1964 renoviert. Von der Ausstattung sind die Barockaltäre und die Orgel zu nennen. Über der Sakristeitür ist ein Bruchstück eines römischen Grabmals eingemauert. Bei der Renovation wurden farbige Glasfenster von H. Mac Lean eingesetzt.

Entwicklung der Gemeinde
1427 siegelte auf Bitten des Gerichts der Probst. Ein Gerichtssiegel ist erst anfangs des 18. Jahrhunderts überliefert. Es zeigt in geteiltem Schild im oberen Feld eine Lilie, die vielleicht von einem Venninger als Probst herkommen könnte (vgl. Probstwappen mit Abtstab und zwei gekreuzten Lilien an der Kirche). Im unteren Feld ist wohl das alte Dorfzeichen, drei stilisierte Blätter, die später als Rettiche oder Rüben gedeutet wurden, dargestellt. Hieran lehnt sich das moderne Gemeindewappen: In geteiltem Shild oben in Blau eine halbe silberne Lilie, unten in Silber drei rote Rüben mit grünen Blättern. Der Schultheiß als Einsammler der Bede von den Lehen ist wohl schon für 1341 anzunehmen, aber erst 1427 zusammen mit 6 Richtern an der Spitze der Gemeinde nachweisbar.- Den Zusammenhang mit Sinsheim behielt die Gemeinde auch nach dem Verkauf der Probstei. Noch 1602 war der dortige Stadtrat Oberhof für das Dorfgericht.

Zu einem eigenen Rathaus brachte die Gemeinde es erst spät. 1816 wurde eine Gerichtsstube in einem Privathaus angemietet, dann kam 1876 das Rathaus in das freiwerdende katholische Schulhaus. 1902 baute man ein neues Schul- und Rathaus hinter dem alten in der Webergasse. Von hier wurde das Rathaus 1953 in ein eigenes Gebäude verlegt, kam jedoch 1965 nach Eröffnung der neuen Schule wieder in das jetzt ganz der Gemeindeverwaltung dienende Anwesen in der Webergasse zurück.Was die Gemeinde als Allmend besaß, stammt eigentlich aus den vom Kloster den Bauern zur Nutzung überlassenen Stücken, so vor allem am Sandbuckel, um den die Dominikaner im 18. Jahrhundert vergeblich prozessierten. Der Sandhügel brachte dann später durch Aufforstung und durch Sandverkauf einige Einnahmen. Der heute auslaufende Bürgernutzen bestand früher aus 22 Losen zu je 9 a und 23 Losen zu je 4,5 a. 1936 wurde die Allmendnutzung durch eine Geldentschädigung abgelöst, die derzeit DM 6.– im Jahr ausmacht und noch an 45 Nutzbürger bezahlt wird.

1899 wurde der Vertrag über den Bezug von Strom mit dem Elektrizitätswerk Wiesloch geschlossen, 1914/15 der Anschluß an die Wasserversorgung der Hardtgruppe vollzogen. Der Gasbezug von Heidelberg setzte 1929 ein. St. Ilgen ist Mitglied des Abwasserverbandes „Untere Hardt“ , der im Gewann Bruch eine mechanisch-biologische Kläranlage unterhält. Sie konnte im April 1965 in Betrieb genommen werden. Der Ort ist völlig kanalisiert. Seit 1958 wird eine obligatorische Müllabfuhr durch einen Unternehmer besorgt.

St. Ilgen hat sich, besonders in den letzten Jahren, zu einer modernen Wohngemeinde entwickelt. Kräftige Impulse seitens des Gemeinderates sorgen dafür, daß diese Entwicklung konsequent fortgesetzt wird. Die notwendigen Einrichtungen teilweise bereits vorhanden, und teilweise sind sie in der Planung bzw. im Entstehen. Die Bevölkerung hat sich gegenüber dem Jahre 1965 fast schon verdoppelt. Damit hat St. Ilgen die auch für jegliche Verwaltungsformen magische Zahl von 5.000 Einwohnern überschritten. Unsere Gemeinde liegt etwa 8 Km südlich von Heidelberg und umfaßt 558 ha. Die Gemarkung, in 103-119 NN in der Oberrheinebene gelegen, ist in zwei Teile getrennt. Der unbesiedelte, ein wenig höhere Westteil liegt ganz im Bereich der Sand- und Schotterflächen der Schwetzinger Hardt und ist vorwiegend mit kiefernreichen Mischwäldern bestanden. Der schmale von Süden nach Norden gestreckte Hauptteil besteht aus dem Sandbuckel, einer letzten vor der Gebirgsrandniederung liegenden Düne mit Kiefernwäldern sowie dem vom hochgedämmten Leimbach durchflossenen Niederungsgebiet. Im Bereich des Ortes und nördlich davon herrschen Auwaldböden mit Verlehmungshorizonten vor, ganz im Norden auch Naßböden. Die feuchten Partien sind von Entwässerungsgräben durchzogenes Wiesenland.

Die ältesten Teile St.llgen schließen an dem einstigen Klosterbezirk südlich des Leimbachs an. Die Gemeinde ist im Laufe der Jahre langsam und in den letzten Jahren ganz besonders schnell nach Norden und Süden gewachsen, während im Westen die als Bebauungsgrenze liegende Bahnlinie erst spät „überquert“ wurde. Hier ist es besonders die westlich der Bahnlinie liegende, etwa 1300 Einwohner umfassende Probsterwaldsiedlung, zur Zeit ist die einzige Verbindung zum Hauptort die Straße über die „schwarze Brücke“. Planungen über eine weitere Anbindung über das östlich der Bahnlinie liegende Probsterwaldgebiet sind bereits vorhanden.

Der Grundriß des im Vergleich zu den Nachbarorten sehr lockeren Ortskerns wird vom geschwungenen Verlauf der Hauptstraße und der rechtwinklig auf sie auftreffenden Weberstraße bestimmt. Am Nordostausgang des alten Dorfes liegt nicht weit von der Leimbachbrücke der im Gelände etwas erhöhte, z.T. noch von einer Mauer umzogene einstige Klosterbezirk. Vom Kloster selbst ist nur noch die katholische Kirche mit einem mächtigen steilen Ziegeldach und kleinem Dachreiter über der Fassade mit dem bekannten römischen Portal erhalten. Im alten Ortskern befinden sich meist nur kleine und unregelmäßig angelegte Gehöfte. Unter diesen steht etwas zurückgesetzt in der Weberstraße das große Rathaus aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Mit der sich östlich befindlichen neuen Schule, einem modernen Glasbetonbau, bildet dieser Bereich den Mittelpunkt des Ortes.

Die alten Wege sind im Verlauf der letzten hundert Jahre von diesem Mittelpunkt nach Süden verlängert und mit Klein- und Arbeiterbauernhäuser besetzt worden. Zur Zeit befindet sich im Ortskern ein noch etwas schwaches aber im Aufbau begriffenes Geschäftszentrum. Durch die lockere Bauweise ist eine einmalige Chance der Sanierung und damit einer besonderen Wertverbesserung vorhanden.

Etwa ab 1900 kamen dann die ersten Ortserweiterungen mit der Siedlerstraße, dem Bahnhofsgebiet, der VdK-Sidlung, der Waldsiedlung und dem Waid-Hessel-Gebiet, sowie die erste Besiedlung des westlich der Bahnlinie befindlichen Probsterwaldes. In den letzten Jahren wurde die Ortserweiterung in großem Rahmen fortgesetzt, und zwar wie folgt: Probsterwald, Etzwiese/Bruch, Settel, Schußgarten, Schnall, Walläkker, Dorfwiese, Lichtenau, Schmalzgrube und Teile des Waid-Hessel-Gebietes. Zur Zeit werden folgende Ortserweiterungen geplant: Hohe Rot, Fasanerie und Bahnhofsgebiet. Außerdem noch einige Sanierungsvorhaben wie Klosteräcker, Settel und Wilhelmstraße/Hauptstraße sowie Lachwiese überprüft, bzw. durchgeführt. Mit dieser zweiten Phase der Ortserweiterung kamen auch neue Bauelemente durch Reihenhäuser und Hochhäuser zur Geltung. Die ersten Hochhäuser entstanden vereinzelt in den Baugebieten: Probsterwald, Walläcker und Schnall und konzentriert im Baugebiet Schmalzgrube/Lichtenau. Im Süden der bebauten Ortsteile entsteht ein Gewerbe- und Industriegebiet. Schon aufgrund der beschränkten räumlichen Möglichkeiten in diesem Bereich wird jedoch der Charakter der eigentlichen Wohngemeinde mit einer Entlastungsfunktion für die nahe Stadt nicht verändert werden. Neben vereinzelten Betrieben im Ortskern befindet sich vor allen Dingen im Probsterwaldgebiet noch eine leichte Industriekonzentration. Im Augenblick gibt es in St. Ilgen 762 Wohnhäuser und zwar einschließlich der Hochhäuser. Diese Zahl wird sich noch im Laufe dieses Jahres erhöhen. Auch das Straßennetz wurde in den letzten sechs Jahren mit zur Zeit 12700 m mehr als verdoppelt. Weitere Straßen sind noch im Bau.

Die starke Entwicklung der Gemeinde wird von der Bevölkerung unterstützt und einem energischen Gemeinderat vorangetrieben bzw. ganz konsequent verfolgt. Vor einigen Jahren waren ca. 50 ha. überbaut, heute sind es mehr als 100 ha. Die Zahl der Wohnstraßen hat sich von 62 auf 79 erhöht. Die Zahl der Wohnhäuser von 443 auf 762. In den letzten Jahren wurden zehn Baugebiete mit 355 Bauplätzen und 28 Plätzen für Hochhäuser mit bis zu 15geschossiger Bauweise erschlossen.

Von dieser Entwicklung profitierte das einheimische Gewerbe. Auch der örtliche Handel fand hier die Grundlage für mutige und weitsichtige Investitionen, die in vollem Gange sind. Die Realsteuerkraft erhöhte sich von DM 148.– auf DM 156.73, während die Steuerkraftsumme von 334.– DM auf 357.24 DM anstieg.

Trotz der vielen Maßnahmen beträgt im gleichen Zeitraum die pro-Kopf-Verschuldung DM 341.57.

Wasser- und Abwasserprobleme sind gelöst. Es sind Kindergärten vorhanden. Planungen über die Erweiterung der Grund- und Hauptschule liegen dem Oberschulamt in der Grundkonzeption vor. In jedem Jahr sind weitere Verbesserungen des Freizeitwertes durchgeführt worden bzw. noch vorgesehen. Durch die Linienführung der neuen B 3 wird die Gemeinde erstmals in ihrer langen Geschichte direkt an ein überörtliches Straßensystem angeschlossen. Dies wird sich ebenfalls besonders positiv auf die weitere Entwicklung auswirken.

Gemeindereform – Verlust der Selbständigkeit
Am 10.6.1973 hat sich der zuständige Reformausschuß mit 10:9 Stimmen für die Beibehaltung der Selbständigkeit St. Ilgens ausgesprochen. Fünf Abgeordnete der CDU, vier Abgeordnete der SPD sowie der einzige Abgeordnete der FDP haben für St. Ilgen gestimmt.

Mit Schreiben vom 18,7,73, 6.9.73, 24.10.73 und 16.4.74 haben sich sowohl die Fraktion der CDU als auch der Herr Innenminister positiv über St. Ilgen geäußert, und insbesondere mit Schreiben vom 18.7.73 und 6.9.73 verteidigte die CDU-Fraktion sogar noch die Entscheidung des Reformausschusses vom 10.6.73. Auf Grund dieser Sachlage konnte die Gemeinde durchaus optimistisch sein. Am 29.5.1974 hat sich der Reformausschuß in einer zweiten Abstimmung mit 10:10 Stimmen gegen einen Antrag St. Ilgens ausgesprochen. Hier waren für unsere Sache 8 Abgeordnete der SPD, 1 Abgeordneter der CDU und 1 Abgeordneter der FDP.

Die Taktik der Landesregierung über das Instrument des Fraktionszwangs wurde hier jedoch offenbar, und so kam es zu einem Ergebnis von 60:55:5 und damit zu einer vorgesehenen Auflösung St. Ilgens. Bei dieser Abstimmung enthielten sich die CDUAbgeordneten WEISER, Dr. GAA, Dr. SCHEUER, Dr. STEUER und Dr. HERRMANN der Stimme, während die Fraktionen von SPD und FDP wiederum geschlossen ihre Meinung bekundeten.

Die Entscheidung gegen St. Ilgen fiel praktisch in der letzten Sekunde.

Sie wäre zu unseren Gunsten ausgegangen, wenn die zunächst für uns stimmenden Abgeordneten der CDU diese Ansicht durchgetragen hätten.

Mit der Reformlösung Leimen/Gauangelloch-St.llgen wurde wohl eine der schlechtesten Lösungen im Lande vorgesehen. Diese Tatsache gibt uns Hoffnung, daß der Staatsgerichtshof eine für St. Ilgen positive Entscheidung trifft.

Die Anrufung des Staatsgerichtshofes wurde durch den Gemeinderat der Gemeinde St. Ilgen beschlossen. Damit handelte dieses Gremium gemäß dem Bürgerwillen.

Erst wenn auch dieser Schritt negativ verlaufen sollte, ergeben sich für Bürgermeister und Gemeinderat neue Tatsachen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Zielsetzung unverrückbar, nämlich, der Bürgerschaft die Selbständigkeit der Gemeinde St. Ilgen zu erhalten.

Am gleichen Tage wurde die Regierungsvorlage mit 10:9 Stimmen angenommen. Hier entscheiden sich für St. Ilgen: 8 Abgeordnete der SPD, 1 Abgeordneter der FDP und 0 Abgeordnete der CDU. Es wurde erstmals deutlich, daß der Fraktionszwang über eigenen Überlegungen stand.

In der zweiten Lesung entschied sich der Landtag mit 52:56 Stimmen gegen die Gemeinde St. Ilgen. 12 Abgeordnete waren hierbei nicht anwesend.

In der entscheidenden dritten Lesung wurde im Fall St. Ilgen eine namentliche Abstimmung herbeigeführt. Mit 59:60:1 Stimmen wurde gegen unsere Gemeinde entschieden. Alle Abgeordnete der SPD und FDP stimmten für St. Ilgen, während von der CDU nur die Abgeordneten Dr. GAA, WEISER, Dr. STEUER und Dr. SCHEUER stimmten. Der Abgeordnete Dr. HERRMANN enthielt sich der Stimme. Nachdem die Gemeinde nur auf Grund der Tatsache, daß Stimmenthaltungen, im Gegensatz zu der Gemeindeordnung, nicht mitgezählt werden, geopfert werden sollte, beantragten die Oppositionsparteien auch für den nachfolgenden Antrag der Regierung eine namentliche Abstimmung. Bei einem gleichen Ausgang wäre St. Ilgen gerettet gewesen.

Am 21. März 1975 fällt die Entscheidung. Nach § 171 des Besonderen Gemeindereformgesetzes ist „aus den Gemeinden Leimen und St. Ilgen die neue Gemeinde Leimen zu bilden“. Ab 3. Mai 1975 – neue Großgemeinde Leimen.

Verfasser: Herbert Ehrbar September 1978

Quelle: Heimatgeschichtliche Ausstellung – Aus der Vergangenheit von St.Ilgen – 9/10 September 1978 Gemeindeverwaltung Leimen