{"id":260,"date":"2012-03-17T23:00:23","date_gmt":"2012-03-17T21:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nobili.de\/wp1\/?page_id=260"},"modified":"2024-11-09T20:42:01","modified_gmt":"2024-11-09T18:42:01","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nobili.de\/wp1\/historie-von-st-ilgen\/geschichte","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Aus der Geschichte unserer Gemeinde<\/strong><\/p>\n<p>Entwicklung von Siedlung und Gemarkung<br \/>\nDie Leimbachniederung mit ihrem feuchten und ung\u00fcnstigen Gel\u00e4nde wurde erst sp\u00e4t f\u00fcr die Besiedlung erschlossen. Im Jahr 1100 soll nach der Sinsheimer Chronik Bi\u00adschof Johann von Speyer dem Kloster Sinsheim neben anderem Besitz in \u00e4ltern Or\u00adten der Umgebung auch solchen in Bruch geschenkt haben. Bruch ist die urspr\u00fcngliche Bezeichnung f\u00fcr das Sumpfgel\u00e4nde auf der heutigen Gemarkung St. Ilgen und Sandhausen. Die eigentliche Gr\u00fcndung der Probstei St. Aegidius schreibt die Sinsheimer Chronik aber erst dem Abt Johann (1158-1175) zu.<\/p>\n<p>Die Uranf\u00e4nge des Ortes reichen in keltische und r\u00f6mische Zeiten zur\u00fcck, wie zahlreiche Funde beweisen.<\/p>\n<p>Die St. Ilgener Gemarkung ist wohl, wie sich aus den fr\u00fcheren Zehntverh\u00e4ltnissen ergibt, aus der Lochheimer Gemarkung ausgeschnitten. Urspr\u00fcnglich war der Sinsheimer Besitz und damit wohl auch die Gemarkung nicht geschlossen. Erst verschiedene Tauschaktionen mit den Lochheim und Bruchhausen aufkaufenden Zisterziensern haben um 1190 die Gemarkung arrondiert. Nur eine kleine Exklave zwischen Walldorf und Sanshausen blieb bis 1874 bestehen, wurde dann jedoch der \u00e4rarischen Waldgemarkung Schwetzinger Hardt zugesprochen. Durch die Aufteilung des Hardtwaldes 1930\/31 erhielt St. Ilgen einen 220 ha gro\u00dfen Distrikt mitten im Wald zwischen Reilinger Weg und Hardtbach, der in keinem Zusammenhang mit der alten Gemarkung steht.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend f\u00fcr die v\u00f6llige Entwaldung des Mittelst\u00fccks der Hauptgemarkung noch im Mittelalter kein Zeitpunkt angegeben werden kann, ist die Geschichte des Probsterwaldes aktenm\u00e4\u00dfig belegt. Wie der Name besagt, geh\u00f6rte er urspr\u00fcnglich dem Kloster. 1475\/76 behielt sich aber der Pfalzgraf den Wald vor, als er das Kloster den Dominikanern \u00fcbergab. 1525 sprachen sich auf Befragen des Kurf\u00fcrsten alle Schulthei\u00dfen der Umgebung f\u00fcr die Rodung des Waldes und seine Umwandlung in Wiesen aus. Das geschah dann auch. Der Sandbuckel im S\u00fcden der Gemarkung wurde erst Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts aufgeforstet.<\/p>\n<p>Herrschaft und Staat<br \/>\nDie Herrschaftsrechte \u00fcber St. Ilgen waren im Besitz des Klosters Sinsheim. Ein Drittel der Ortsherrschaft war jedoch wohl seit der Stiftung dem Bischof von Speyer vorbehalten. Das Kloster Sinsheim verkaufte 1474 mit der ganzen Probstei St. Ilgen auch seine Hauptrechte, seine 2\/3 an Vogtei, Frevel, Fron, hohes und niederes Gebot und Verbot an die Pfalz. Als Friedrich der Siegreiche das Kl\u00f6sterlein 1476 den Dominikanern schenkte, behielt er sich ausdr\u00fccklich die Obrigkeit, Jurisdiktion und die Jagd vor.<\/p>\n<p>Die ganze Neuzeit hindurch blieb dann das Dorf beim Oberamt Heidelberg und der Kirchheimer Zent. Von der badischen Regierung wurde es 1803 dem Amt Unterheidelberg, dann dem Landamt, schlie\u00dflich dem Bezirksamt Heidelberg zugeteilt. In den Kriegen der Pfalz wurde St. Ilgen 1462 und 1689 total niedergebrannt.<\/p>\n<p>Das Kloster, Grundherrschaft und Grundbesitz<br \/>\nDie Sinsheimer Chronik erz\u00e4hlt, da\u00df Abt Johann das Kl\u00f6sterlein zun\u00e4chst mit drei M\u00f6nchen besetzt habe.<\/p>\n<p>Als Verhandlungspartner mit Sch\u00f6nau, einmal auch als pfalzgr\u00e4flicher Notar, ist in der Zeit vor 1200 mehrmals ein M\u00f6nch von Bruch oder St. Aegidien, wohl der Vorsteher der Niederlassung, genannt. 1252 ist erstmals ein Probst erw\u00e4hnt. Zur Probstei geh\u00f6rten, wie die Verkaufsurkunde von 1474 zeigt, H\u00f6fe in Nu\u00dfloch, Kirchheim und Rohrbach, die sich das Hauptkloster damals weiterhin vorbehielt, sowie Weinberge und Zinse in Leimen und Rohrbach, die mitverkauft wurden. 1476 beschenkte Friedrich der Siegreiche das neugegr\u00fcndete Dominikanerkloster in Heidelberg mit dem von Sinsheim erworbenen Besitz, au\u00dfer dem Probsterwald und den Herrschaftsrechten. Bei der noch mit p\u00e4pstlicher Zustimmung erfolgten Aufhebung des Dominikanerklosters 1551 fiel sein Besitz an das Hospital Heidelberg. 1685 wurden die G\u00fcter durch die Hofkammer eingezogen. Die durch Philipp Wilhelm wieder nach Heidelberg geholten Dominikaner verlangten von 1715 an die R\u00fcckgabe und hatten damit 1720 Erfolg. Die Anspr\u00fcche auch auf den Probsterwald und den Sandbuckel wurden 1735 abgewiesen. Aber bis 1787 zog sich der Proze\u00df um diese G\u00fcter hin, dann wurde trotz F\u00fcrsprache des Papstes entschieden, da\u00df das Kloster nichts zu fordern habe, da es nur gnadenhalber und ohne jeden Rechtsanspruch die G\u00fcter zur\u00fcckerhalten habe.<\/p>\n<p>Das Kl\u00f6sterlein bestand damals aus zwei H\u00e4usern und zwei Scheuern, sie waren von einem Laienbruder und einer Magd bewohnt, die die Gef\u00e4lle zu sammeln hatten. 1805 nach Aufhebung des Heidelberger Predigerkonvents wurde das ganze Anwesen von der katholischen Kirchengutsverwaltung in Bestand vergeben, dann verkauft. Die einstige Ringmauer und den Torbogen zum Probsteigarten hat man 1896 abgebrochen, das letzte Haus der Niederlassung 1964. Dem Kloster geh\u00f6rte neben zahlreichen Einzelst\u00fccken 1474 der Probsterwald, das Bruch, die Etzwiesen, gr\u00f6\u00dfere St\u00fccke im Settel und 100 M Sandbuckel.Die 16 Lehen hatten je 1-2 M am Haus anschlie\u00dfend liegen und zahlten, soweit sie auf der Seite gegen Leimen lagen, 21 d, auf der Seite gegen Walldorf 20 d Zins. Bei Verk\u00e4ufen der Lehen stand dem Lehnsherr 1\/3 der Kaufsumme zu.<\/p>\n<p>Der Probsterwald war im 16. Jahrhundert herrschaftliche Wiese, die von einem Wiesenknecht bewacht und durch die umliegenden Gemeinden befront werden mu\u00dfte. Diesen stand daf\u00fcr das Herbstweiderecht darauf zu. Sie blieb bis heute im Dom\u00e4nenbesitz.<\/p>\n<p>1591 kaufte Pfalzgraf Johann Kasimir Gel\u00e4nde zur Anlage einer Fasanerie. 1738 wurden diese durch Teile des Probsterwaldes erweitert, 1754 mit einer Mauer umzogen, dann mit einem Wohnhaus f\u00fcr den Fasanenw\u00e4rter versehen. 1804 ging die Fasanerie durch Kauf an die Grafen von Hochberg \u00fcber. Man verlegte sich darauf, eine Obstplantage aus dem Gel\u00e4nde zu machen. 1833 hat Freiherr von Guttenberg, der inzwischen in den Besitz der Fasanerie gelangt war, das Gel\u00e4nde parzellenweise verkauft. Heute steht der Bahnhof ziemlich genau an der Stelle des alten Fasanenw\u00e4rterhauses. Der \u00fcbrige G\u00fcterbesitz auf der Gemarkung war minimal, meist handelt es sich um Besitzsplitter von G\u00fctern in Nu\u00dfloch, Leimen, Sandhausen und Kirchheim, so bei dem von 1441 an nachgewiesenen Bettendorf&#8217;schen Gut, das vom Heidelberger Patrizier Arnold Rype stammte, beim Venninger, Sickinger, Sch\u00f6nauer und beim Deutschordensbesitz. Der Hofkammer geh\u00f6rten 12 M Kanzleigut. 1707 befanden sich in der Gemarkung noch 75 ha der &#8222;toten Hand&#8220; meist wie etwa auch heute noch, der Dom\u00e4ne. Der Zehnte war Zubeh\u00f6r des Klosters. Nach dem Entscheid \u00fcber die Seelsorge von 1384 hat das St. Andreasstift den Gro\u00dfzehnten und die Pfarrei Leimen den Kleinzehnten auf den Distrikten der Gemarkung n\u00f6rdlich des Leimbachs, die damals schon waldfrei waren, erhalten. Der dem Kloster verbliebene Zehnte war 1806 schon im Besitz der Gemeinde. Der Zehnte von St. Andreas geh\u00f6rte noch 1830 der Dom\u00e4ne, dazu der Zehnt von der Gerberwiese und der Lichtenau, wohl eigentlich ein Novalzehnt.<\/p>\n<p>Kirche<br \/>\nDie Urkunde von 1131 gliederte die neue Ansiedlung aus dem Pfarrverband von Lochheim aus, und Bischof Burkhard II. von Worms gab den M\u00f6nchen der Probstei die Erlaubnis zur Seelsorge. Sp\u00e4ter wurde die Pastoration der Dorfbewohner der Pfarrei Leimen \u00fcbertragen. Streitigkeiten zwischen dem Wormser St. Andreasstift als Inhaber der Pfarrei Leimen und dem Probst wurden 1834 durch schiedsrichterlichen Spruch des Vitztums von Heidelberg geregelt. Der Pfarrer von Leimen mu\u00dfte j\u00e4hrlich zweimal zur Abh\u00f6r der Osterbeichte und sonst zur Versorgung der Kranken nach St. Ilgen kommen. Daf\u00fcr erhielt die Pfarrei Leimen bestimmte Teile des Zehnten (s.u.l. Die bis dahin noch bestehende Mitzust\u00e4ndigkeit des Pfarrers von Sandhausen wurde, anscheinend im Anschlu\u00df an diese Regelung, 1386 aufgehoben. Seither, \u00fcber die Reformation und den vielfachen Konfessionswechsel in der Pfalz hinaus, war St. Ilgen Filiale von Leimen. Die einstige Klosterkirche viel bei der Teilung 1707 den Katholiken zu. Abgesehen von der kurzen Zugeh\u00f6rigkeit zu Walldorf 1827-29, blieb St. Ilgen von der katholischen Pfarrei Leimen abh\u00e4ngig, wurde 1946 Expositur, 1949 Kuratie.<\/p>\n<p>Die Kirche, der Rest der ehemaligen Klosterkirche, besteht aus einem Langhaus zu drei Fensterachsen mit quadratischem Fachgedecktem Chor. Der jetzige Chor war ehemals die Vierung einer kleinen romantischen Basilika. Nach Osten schlo\u00df der Chor an. An der Nord- und S\u00fcdseite sind noch die Gurtb\u00f6gen der Querhausfl\u00fcgel zu sehen. Vom Chorbogen blieben nur die K\u00e4mpferprofile erhalten, die reicher durchgebildet sind als die aus Platte und Schr\u00e4ge zusammengesetzten K\u00e4mpfer des Triumphbogens. Das Langhaus war dreischiffig und wahrscheinlich flachgedeckt. Auf jeder Seite trugen vie quadratische Pfeiler mind Rundb\u00f6gen die Obergadenw\u00e4nde. Nur die St\u00fcmpfe des westlichen Pfeilerpaares als St\u00fctzen der Empore bestehen. Zum wesentlichen Bestand des romantischen Baues geh\u00f6rt die Giebelwand mit dem Westportal. Die Gew\u00e4nde des Portals mit ihren ornamentierten Kapitellen sind leider durch sp\u00e4tere Ausbesserungen verunstaltet. Im Tympanon ist ein Heiliger dargestellt, wohl St. Aegidius, zu seiner Linken ein knieender Abt, zur Rechten ein Stifter, den der Heilige segnet.- In sp\u00e4tgotischer Zeit, wahrscheinlich nach 1462, wurde die Kirche umgebaut. Die Langhausarkaden erhielten Spitzb\u00f6gen. Damals wurde der romantische Chor aufgegeben und an seiner Stelle die Vierung zum Altarraum vermauert. In den Jahren 1780\/84 wurden die Arkaden im Langhaus herausgebrochen, die Seitenschiffmauern erh\u00f6ht und der heute vorhandene Saal mit drei Barockfenstern in jeder Seite geschaffen. Der Dachreiter wurde 1824 erneuert, Innenraum und Portal 1964 renoviert. Von der Ausstattung sind die Barockalt\u00e4re und die Orgel zu nennen. \u00dcber der Sakristeit\u00fcr ist ein Bruchst\u00fcck eines r\u00f6mischen Grabmals eingemauert. Bei der Renovation wurden farbige Glasfenster von H. Mac Lean eingesetzt.<\/p>\n<p>Entwicklung der Gemeinde<br \/>\n1427 siegelte auf Bitten des Gerichts der Probst. Ein Gerichtssiegel ist erst anfangs des 18. Jahrhunderts \u00fcberliefert. Es zeigt in geteiltem Schild im oberen Feld eine Lilie, die vielleicht von einem Venninger als Probst herkommen k\u00f6nnte (vgl. Probstwappen mit Abtstab und zwei gekreuzten Lilien an der Kirche). Im unteren Feld ist wohl das alte Dorfzeichen, drei stilisierte Bl\u00e4tter, die sp\u00e4ter als Rettiche oder R\u00fcben gedeutet wurden, dargestellt. Hieran lehnt sich das moderne Gemeindewappen: In geteiltem Shild oben in Blau eine halbe silberne Lilie, unten in Silber drei rote R\u00fcben mit gr\u00fcnen Bl\u00e4ttern. Der Schulthei\u00df als Einsammler der Bede von den Lehen ist wohl schon f\u00fcr 1341 anzunehmen, aber erst 1427 zusammen mit 6 Richtern an der Spitze der Gemeinde nachweisbar.- Den Zusammenhang mit Sinsheim behielt die Gemeinde auch nach dem Verkauf der Probstei. Noch 1602 war der dortige Stadtrat Oberhof f\u00fcr das Dorfgericht.<\/p>\n<p>Zu einem eigenen Rathaus brachte die Gemeinde es erst sp\u00e4t. 1816 wurde eine Gerichtsstube in einem Privathaus angemietet, dann kam 1876 das Rathaus in das freiwerdende katholische Schulhaus. 1902 baute man ein neues Schul- und Rathaus hinter dem alten in der Webergasse. Von hier wurde das Rathaus 1953 in ein eigenes Geb\u00e4ude verlegt, kam jedoch 1965 nach Er\u00f6ffnung der neuen Schule wieder in das jetzt ganz der Gemeindeverwaltung dienende Anwesen in der Webergasse zur\u00fcck.Was die Gemeinde als Allmend besa\u00df, stammt eigentlich aus den vom Kloster den Bauern zur Nutzung \u00fcberlassenen St\u00fccken, so vor allem am Sandbuckel, um den die Dominikaner im 18. Jahrhundert vergeblich prozessierten. Der Sandh\u00fcgel brachte dann sp\u00e4ter durch Aufforstung und durch Sandverkauf einige Einnahmen. Der heute auslaufende B\u00fcrgernutzen bestand fr\u00fcher aus 22 Losen zu je 9 a und 23 Losen zu je 4,5 a. 1936 wurde die Allmendnutzung durch eine Geldentsch\u00e4digung abgel\u00f6st, die derzeit DM 6.&#8211; im Jahr ausmacht und noch an 45 Nutzb\u00fcrger bezahlt wird.<\/p>\n<p>1899 wurde der Vertrag \u00fcber den Bezug von Strom mit dem Elektrizit\u00e4tswerk Wiesloch geschlossen, 1914\/15 der Anschlu\u00df an die Wasserversorgung der Hardtgruppe vollzogen. Der Gasbezug von Heidelberg setzte 1929 ein. St. Ilgen ist Mitglied des Abwasserverbandes &#8222;Untere Hardt&#8220; , der im Gewann Bruch eine mechanisch-biologische Kl\u00e4ranlage unterh\u00e4lt. Sie konnte im April 1965 in Betrieb genommen werden. Der Ort ist v\u00f6llig kanalisiert. Seit 1958 wird eine obligatorische M\u00fcllabfuhr durch einen Unternehmer besorgt.<\/p>\n<p>St. Ilgen hat sich, besonders in den letzten Jahren, zu einer modernen Wohngemeinde entwickelt. Kr\u00e4ftige Impulse seitens des Gemeinderates sorgen daf\u00fcr, da\u00df diese Entwicklung konsequent fortgesetzt wird. Die notwendigen Einrichtungen teilweise bereits vorhanden, und teilweise sind sie in der Planung bzw. im Entstehen. Die Bev\u00f6lkerung hat sich gegen\u00fcber dem Jahre 1965 fast schon verdoppelt. Damit hat St. Ilgen die auch f\u00fcr jegliche Verwaltungsformen magische Zahl von 5.000 Einwohnern \u00fcberschritten. Unsere Gemeinde liegt etwa 8 Km s\u00fcdlich von Heidelberg und umfa\u00dft 558 ha. Die Gemarkung, in 103-119 NN in der Oberrheinebene gelegen, ist in zwei Teile getrennt. Der unbesiedelte, ein wenig h\u00f6here Westteil liegt ganz im Bereich der Sand- und Schotterfl\u00e4chen der Schwetzinger Hardt und ist vorwiegend mit kiefernreichen Mischw\u00e4ldern bestanden. Der schmale von S\u00fcden nach Norden gestreckte Hauptteil besteht aus dem Sandbuckel, einer letzten vor der Gebirgsrandniederung liegenden D\u00fcne mit Kiefernw\u00e4ldern sowie dem vom hochged\u00e4mmten Leimbach durchflossenen Niederungsgebiet. Im Bereich des Ortes und n\u00f6rdlich davon herrschen  Auwaldb\u00f6den mit Verlehmungshorizonten vor, ganz im Norden auch Na\u00dfb\u00f6den. Die feuchten Partien sind von Entw\u00e4sserungsgr\u00e4ben durchzogenes Wiesenland.<\/p>\n<p>Die \u00e4ltesten Teile St.llgen schlie\u00dfen an dem einstigen Klosterbezirk s\u00fcdlich des Leimbachs an. Die Gemeinde ist im Laufe der Jahre langsam und in den letzten Jahren ganz besonders schnell nach Norden und S\u00fcden gewachsen, w\u00e4hrend im Westen die als Bebauungsgrenze liegende Bahnlinie erst sp\u00e4t &#8222;\u00fcberquert&#8220; wurde. Hier ist es besonders die westlich der Bahnlinie liegende, etwa 1300 Einwohner umfassende Probsterwaldsiedlung, zur Zeit ist die einzige Verbindung zum Hauptort die Stra\u00dfe \u00fcber die &#8222;schwarze Br\u00fccke&#8220;. Planungen \u00fcber eine weitere Anbindung \u00fcber das \u00f6stlich der Bahnlinie liegende Probsterwaldgebiet sind bereits vorhanden.<\/p>\n<p>Der Grundri\u00df des im Vergleich zu den Nachbarorten sehr lockeren Ortskerns wird vom geschwungenen Verlauf der Hauptstra\u00dfe und der rechtwinklig auf sie auftreffenden Weberstra\u00dfe bestimmt. Am Nordostausgang des alten Dorfes liegt nicht weit von der Leimbachbr\u00fccke der im Gel\u00e4nde etwas erh\u00f6hte, z.T. noch von einer Mauer umzogene einstige Klosterbezirk. Vom Kloster selbst ist nur noch die katholische Kirche mit einem m\u00e4chtigen steilen Ziegeldach und kleinem Dachreiter \u00fcber der Fassade mit dem bekannten r\u00f6mischen Portal erhalten. Im alten Ortskern befinden sich meist nur kleine und unregelm\u00e4\u00dfig angelegte Geh\u00f6fte. Unter diesen steht etwas zur\u00fcckgesetzt in der Weberstra\u00dfe das gro\u00dfe Rathaus aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Mit der sich \u00f6stlich befindlichen neuen Schule, einem modernen Glasbetonbau, bildet dieser Bereich den Mittelpunkt des Ortes.<\/p>\n<p>Die alten Wege sind im Verlauf der letzten hundert Jahre von diesem Mittelpunkt nach S\u00fcden verl\u00e4ngert und mit Klein- und Arbeiterbauernh\u00e4user besetzt worden. Zur Zeit befindet sich im Ortskern ein noch etwas schwaches aber im Aufbau begriffenes Gesch\u00e4ftszentrum. Durch die lockere Bauweise ist eine einmalige Chance der Sanierung und damit einer besonderen Wertverbesserung vorhanden.<\/p>\n<p>Etwa ab 1900 kamen dann die ersten Ortserweiterungen mit der Siedlerstra\u00dfe, dem Bahnhofsgebiet, der VdK-Sidlung, der Waldsiedlung und dem Waid-Hessel-Gebiet, sowie die erste Besiedlung des westlich der Bahnlinie befindlichen Probsterwaldes. In den letzten Jahren wurde die Ortserweiterung in gro\u00dfem Rahmen fortgesetzt, und zwar wie folgt: Probsterwald, Etzwiese\/Bruch, Settel, Schu\u00dfgarten, Schnall, Wall\u00e4kker, Dorfwiese, Lichtenau, Schmalzgrube und Teile des Waid-Hessel-Gebietes. Zur Zeit werden folgende Ortserweiterungen geplant: Hohe Rot, Fasanerie und Bahnhofsgebiet. Au\u00dferdem noch einige Sanierungsvorhaben wie Kloster\u00e4cker, Settel und Wilhelmstra\u00dfe\/Hauptstra\u00dfe sowie Lachwiese \u00fcberpr\u00fcft, bzw. durchgef\u00fchrt. Mit dieser zweiten Phase der Ortserweiterung kamen auch neue Bauelemente durch Reihenh\u00e4user und Hochh\u00e4user zur Geltung. Die ersten Hochh\u00e4user entstanden vereinzelt in den Baugebieten: Probsterwald, Wall\u00e4cker und Schnall und konzentriert im Baugebiet Schmalzgrube\/Lichtenau. Im S\u00fcden der bebauten Ortsteile entsteht ein Gewerbe- und Industriegebiet. Schon aufgrund der beschr\u00e4nkten r\u00e4umlichen M\u00f6glichkeiten in diesem Bereich wird jedoch der Charakter der eigentlichen Wohngemeinde mit einer Entlastungsfunktion f\u00fcr die nahe Stadt nicht ver\u00e4ndert werden. Neben vereinzelten Betrieben im Ortskern befindet sich vor allen Dingen im Probsterwaldgebiet noch eine leichte Industriekonzentration. Im Augenblick gibt es in St. Ilgen 762 Wohnh\u00e4user und zwar einschlie\u00dflich der Hochh\u00e4user. Diese Zahl wird sich noch im Laufe dieses Jahres erh\u00f6hen. Auch das Stra\u00dfennetz wurde in den letzten sechs Jahren mit zur Zeit 12700 m mehr als verdoppelt. Weitere Stra\u00dfen sind noch im Bau.<\/p>\n<p>Die starke Entwicklung der Gemeinde wird von der Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzt und einem energischen Gemeinderat vorangetrieben bzw. ganz konsequent verfolgt. Vor einigen Jahren waren ca. 50 ha. \u00fcberbaut, heute sind es mehr als 100 ha. Die Zahl der Wohnstra\u00dfen hat sich von 62 auf 79 erh\u00f6ht. Die Zahl der Wohnh\u00e4user von 443 auf 762. In den letzten Jahren wurden zehn Baugebiete mit 355 Baupl\u00e4tzen und 28 Pl\u00e4tzen f\u00fcr Hochh\u00e4user mit bis zu 15geschossiger Bauweise erschlossen.<\/p>\n<p>Von dieser Entwicklung profitierte das einheimische Gewerbe. Auch der \u00f6rtliche Handel fand hier die Grundlage f\u00fcr mutige und weitsichtige Investitionen, die in vollem Gange sind. Die Realsteuerkraft erh\u00f6hte sich von DM 148.&#8211; auf DM 156.73, w\u00e4hrend die Steuerkraftsumme von 334.&#8211; DM auf 357.24 DM anstieg.<\/p>\n<p>Trotz der vielen Ma\u00dfnahmen betr\u00e4gt im gleichen Zeitraum die pro-Kopf-Verschuldung DM 341.57.<\/p>\n<p>Wasser- und Abwasserprobleme sind gel\u00f6st. Es sind Kinderg\u00e4rten vorhanden. Planungen \u00fcber die Erweiterung der Grund- und Hauptschule liegen dem Oberschulamt in der Grundkonzeption vor. In jedem Jahr sind weitere Verbesserungen des Freizeitwertes durchgef\u00fchrt worden bzw. noch vorgesehen. Durch die Linienf\u00fchrung der neuen B 3 wird die Gemeinde erstmals in ihrer langen Geschichte direkt an ein \u00fcber\u00f6rtliches Stra\u00dfensystem angeschlossen. Dies wird sich ebenfalls besonders positiv auf die weitere Entwicklung auswirken.<\/p>\n<p>Gemeindereform &#8211; Verlust der Selbst\u00e4ndigkeit<br \/>\nAm 10.6.1973 hat sich der zust\u00e4ndige Reformausschu\u00df mit 10:9 Stimmen f\u00fcr die Beibehaltung der Selbst\u00e4ndigkeit St. Ilgens ausgesprochen. F\u00fcnf Abgeordnete der CDU, vier Abgeordnete der SPD sowie der einzige Abgeordnete der FDP haben f\u00fcr St. Ilgen gestimmt.<\/p>\n<p>Mit Schreiben vom 18,7,73, 6.9.73, 24.10.73 und 16.4.74 haben sich sowohl die Fraktion der CDU als auch der Herr Innenminister positiv \u00fcber St. Ilgen ge\u00e4u\u00dfert, und insbesondere mit Schreiben vom 18.7.73 und 6.9.73 verteidigte die CDU-Fraktion sogar noch die Entscheidung des Reformausschusses vom 10.6.73. Auf Grund dieser Sachlage konnte die Gemeinde durchaus optimistisch sein. Am 29.5.1974 hat sich der Reformausschu\u00df in einer zweiten Abstimmung mit 10:10 Stimmen gegen einen Antrag St. Ilgens ausgesprochen. Hier waren f\u00fcr unsere Sache 8 Abgeordnete der SPD, 1 Abgeordneter der CDU und 1 Abgeordneter der FDP.<\/p>\n<p>Die Taktik der Landesregierung \u00fcber das Instrument des Fraktionszwangs wurde hier jedoch offenbar, und so kam es zu einem Ergebnis von 60:55:5 und damit zu einer vorgesehenen Aufl\u00f6sung St. Ilgens. Bei dieser Abstimmung enthielten sich die CDUAbgeordneten WEISER, Dr. GAA, Dr. SCHEUER, Dr. STEUER und Dr. HERRMANN der Stimme, w\u00e4hrend die Fraktionen von SPD und FDP wiederum geschlossen ihre Meinung bekundeten.<\/p>\n<p>Die Entscheidung gegen St. Ilgen fiel praktisch in der letzten Sekunde.<\/p>\n<p>Sie w\u00e4re zu unseren Gunsten ausgegangen, wenn die zun\u00e4chst f\u00fcr uns stimmenden Abgeordneten der CDU diese Ansicht durchgetragen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Mit der Reforml\u00f6sung Leimen\/Gauangelloch-St.llgen wurde wohl eine der schlechtesten L\u00f6sungen im Lande vorgesehen. Diese Tatsache gibt uns Hoffnung, da\u00df der Staatsgerichtshof eine f\u00fcr St. Ilgen positive Entscheidung trifft.<\/p>\n<p>Die Anrufung des Staatsgerichtshofes wurde durch den Gemeinderat der Gemeinde St. Ilgen beschlossen. Damit handelte dieses Gremium gem\u00e4\u00df dem B\u00fcrgerwillen.<\/p>\n<p>Erst wenn auch dieser Schritt negativ verlaufen sollte, ergeben sich f\u00fcr B\u00fcrgermeister und Gemeinderat neue Tatsachen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Zielsetzung unverr\u00fcckbar, n\u00e4mlich, der B\u00fcrgerschaft die Selbst\u00e4ndigkeit der Gemeinde St. Ilgen zu erhalten.<\/p>\n<p>Am gleichen Tage wurde die Regierungsvorlage mit 10:9 Stimmen angenommen. Hier entscheiden sich f\u00fcr St. Ilgen: 8 Abgeordnete der SPD, 1 Abgeordneter der FDP und 0 Abgeordnete der CDU. Es wurde erstmals deutlich, da\u00df der Fraktionszwang \u00fcber eigenen \u00dcberlegungen stand.<\/p>\n<p>In der zweiten Lesung entschied sich der Landtag mit 52:56 Stimmen gegen die Gemeinde St. Ilgen. 12 Abgeordnete waren hierbei nicht anwesend.<\/p>\n<p>In der entscheidenden dritten Lesung wurde im Fall St. Ilgen eine namentliche Abstimmung herbeigef\u00fchrt. Mit 59:60:1 Stimmen wurde gegen unsere Gemeinde entschieden. Alle Abgeordnete der SPD und FDP stimmten f\u00fcr St. Ilgen, w\u00e4hrend von der CDU nur die Abgeordneten Dr. GAA, WEISER, Dr. STEUER und Dr. SCHEUER stimmten. Der Abgeordnete Dr. HERRMANN enthielt sich der Stimme. Nachdem die Gemeinde nur auf Grund der Tatsache, da\u00df Stimmenthaltungen, im Gegensatz zu der Gemeindeordnung, nicht mitgez\u00e4hlt werden, geopfert werden sollte, beantragten die Oppositionsparteien auch f\u00fcr den nachfolgenden Antrag der Regierung eine namentliche Abstimmung. Bei einem gleichen Ausgang w\u00e4re St. Ilgen gerettet gewesen.<\/p>\n<p>Am 21. M\u00e4rz 1975 f\u00e4llt die Entscheidung. Nach \u00a7 171 des Besonderen Gemeindereformgesetzes ist &#8222;aus den Gemeinden Leimen und St. Ilgen die neue Gemeinde Leimen zu bilden&#8220;. Ab 3. Mai 1975 &#8211; neue Gro\u00dfgemeinde Leimen.<\/p>\n<p>Verfasser: Herbert Ehrbar   September 1978<\/p>\n<p>Quelle: Heimatgeschichtliche Ausstellung &#8211; Aus der Vergangenheit von St.Ilgen &#8211; 9\/10 September 1978 Gemeindeverwaltung Leimen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Geschichte unserer Gemeinde Entwicklung von Siedlung und Gemarkung Die Leimbachniederung mit ihrem feuchten und ung\u00fcnstigen Gel\u00e4nde wurde erst sp\u00e4t f\u00fcr die Besiedlung erschlossen. Im Jahr 1100 soll nach der Sinsheimer Chronik Bi\u00adschof Johann von Speyer dem Kloster Sinsheim &hellip; <a href=\"https:\/\/www.nobili.de\/wp1\/historie-von-st-ilgen\/geschichte\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":251,"menu_order":2,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-260","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nobili.de\/wp1\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/260","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nobili.de\/wp1\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nobili.de\/wp1\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nobili.de\/wp1\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nobili.de\/wp1\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=260"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nobili.de\/wp1\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/260\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":261,"href":"https:\/\/www.nobili.de\/wp1\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/260\/revisions\/261"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nobili.de\/wp1\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/251"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nobili.de\/wp1\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=260"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}